26. Januar — 24. März 2008

Die letzten Dinge / Son Şeyler

 

Nevin Aladag – Bashir Borlakov – Inci Eviner

Leyla Gediz – ha za vu zu – Emre Hüner
Ali Kazma – Hale Tenger
In Kooperation mit Garanti Platform, Istanbul

 

Eröffnung:

Freitag, 25. Januar, 19 Uhr

 

Pressetext:

Die letzten Dinge sind der Tod, das Jüngste Gericht, der Himmel und die Hölle. Unter diesen Begriffen verbergen sich ganze Vorstellungswelten und doch treffen sie sich alle in der Frage des ‚Sein oder Nicht-Sein’. Ein Ausstellungsprojekt zu diesen Begriffen kann auf sehr verschiedene Weisen fragen, wie Künstler und Künstlerinnen diesen begegnen. Allerdings erhalten die Fragen, wie man stirbt, welche Vorstellungen es vom Leben nach dem Tod gibt und welcher Wert dem Leben zugeschrieben wird, besondere Virulenz bei einem Projekt, bei dem zwei verschiedene Kulturen und Religionen, die durch eine lange gemeinsame Geschichte verbunden sind, beteiligt sind.

Statt einen traditionellen Künstleraustausch zu suchen, bei dem, besonders in Deutschland, ausländische Künstler oft als exotische Repräsentanten ihrer Länder betrachtet werden, nimmt das Projekt Die Letzten Dinge/Son Şeyler das Thema als einen Fokus, bei dem durch sSdie existentielle Dimension auch die kulturellen Differenzen thematisch werden.

In der von Platform Garanti kuratierten Ausstellung im Westfälischen Kunstverein kommt die Generation der in den 1970er und 1980er Jahren geborenen Künstler- und Künstlerinnen aus der Türkei zur Sprache, deren Visionen und Träume zwischen den Extremen von Endzeitstimmung, Suizid und Himmelfahrt wandern. Ist es das Ende des Festes bei ha za vu zu oder der melancholische Aufenthalt in Industriebrachen bei Emre Hüner – fast immer deutet sich ein Aufbruch an, der Kraft aus dem Fantastischen schöpft. Gleichzeitig ist die Wirklichkeit manifest in den Beobachtungen von nahen Kriegen und gesellschaftlichen Realitäten wie in der bedrohlich leichten Installation von Nevin Aladag und bei den dokumentarischen Ansätzen von Künstlern wie Ali Kazma, Leyla Gediz oder Hale Tenger. Die Welten, 
die die Kunst aus Istanbul eröffnet, führen uns an Grenzen der Existenz in vielen Facetten. Das buchstäbliche Lächeln am Rande des Abgrunds ist hier die poetische Kraft. 

Auf den ersten Teil in Münster wird im Herbst ein vom Westfälischen Kunstverein kuratiertes Projekt in Istanbul folgen. Eine Publikation wird beide Teile dokumentieren.

Die Ausstellung wird gefördert in der Reihe „Europäische Partnerschaften“ von der Kunststiftung NRW und dem Goethe-Institut.

 

 

Termine:

 

24. Januar, 
21 Uhr

Konzert: ha za vu zu

Im CUBA NOVA, Achtermannstr. 10-12

 

Als Auftakt der Doppelausstellung Die letzten Dinge/Son Şeyler, die ab dem 26.01.2008 im Westfälischen Kunstverein gezeigt wird, gibt die Künstlergruppe ha za vu zu am Donnerstag, den 24.01.2008 ab 21.00 Uhr ein Konzert im Cuba Nova (Achtermannstraße 10-12 in Münster).
Die fünf türkischen Künstler, die auch in der Ausstellung im Kunstverein mit einer Arbeit vertreten sind, arbeiten an der Schnittstelle von Musik und Bildender Kunst; 2005 in Istanbul gegründet, bewegt sich die Gruppe zwischen Installation, Performance und experimenteller Musik. Die Grenzen der Medien sind ebenso fließend wie die jeweilige Konstellation von ha za vu zu, die immer wieder andere Musiker und Künstler bei sich aufnehmen.
Mit freundlicher Unterstützung von cuba cultur.

 

25. Januar, 19 Uhr

Eröffnung

Mit Performance von ha za vu zu,
im Ausstellungsraum des Westfälischen Kunstvereins

 

Begrüßung: 
Manfred Heilemann, Vorstand Westfälischer Kunstverein

Eva Schmitt, Referentin Bildende Kunst, Goethe-Institut
Regina Wyrwoll, Generalsekretärin, Kunststiftung NRW
Einführung: Vasif Kortun, Direktor Platform Garanti
Performance ha za vu zu

 

26. Januar, 14 Uhr

Künstlergespräch

 

DRITTER DONNERSTAG: 17. Januar
, 17.45 Uhr

Sonderführung durch die Ausstellung
„Freiheit der Linie“

Im LWL-Landesmuseum mit Dr. Erich Franz, Kurator der Ausstellung

4. — 19. April 2009

Kehraus
Abschied von stabilen Wänden

Ausstellungsansichten:

Pressetext:

Während zwei Wochen im April gibt es ein letztes Mal die Gelegenheit, sich vom Ausstellungsraum des Westfälischen Kunstvereins im Landesmuseum zu verabschieden. Ab Ende des Monats wird das Museum schließlich abgerissen. Bis Ende 2012 wird ein neuer Museumsbau entstehen, in dem auch der Kunstverein einen neuen Ausstellungsraum beziehen wird. Bis dahin wird das Programm nomadisch an unter-schiedlichen Orten in Münster stattfinden. „Kehraus – Abschied von stabilen Wänden“ ist daher als gebührender Abschied vom Ausstellungsraum und gleichzeitig als Ausblick auf die bevorstehende Situation des Kunstvereins zu verstehen. Vor dem Abriss wird der Raum, der über so viele Jahre prägend für das Programm des Westfälischen Kunstvereins war, durch das Veranstaltungsprogramm sowie eine exemplarische Ausstellung in „Miniaturformat“ ein letztes Mal belebt. Die Architektur wird dabei als nahezu leerer Raum noch einmal an sich erlebbar und dient vor allem als Ort sozialer Erlebnisse und der kritischen Auseinandersetzung. Die Ausstellung umfasst Exponate, die an die Auftritte der Künstler- Innen im Rahmen des Programms anknüpfen, zeigt darüber hinaus aber auch Arbeiten, die unabhängig vom Programm im Kontext einer performativen Praxis entstanden sind. So schlüpft die israelisch-amerikanischen Künstlerin Tamy Ben-Tor in ihren Filmen und Performances in immer neue fiktive Rollen. Die dargestellten Figuren sind als Verkörperung stereotyper Kulturzuweisungen zu verstehen und manifestieren ihre Identitäten nicht nur in der äußeren Gestalt, sondern vor allem durch ihre eindringliche und dezidiert charakterisierte Sprache. Auch in dem Video Bahamas Composition der Künstlergruppe It’s Our Pleasure to Serve You wird eine Performance gezielt für die Kamera inszeniert. Mit slapstick-artiger Leichtigkeit treten die KünstlerInnen (Kerstin Brätsch, Adele Röder, Allison Katz, Georgia Sagri) darin selber in einem ephemeren Szenario auf, das gleichzeitig an Experimentalfilme aus den 1920er Jahren sowie an frühe Filme von Joan Jonas erinnert. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die kanadische Künstlerin Michele Di Menna. Ihr Schwerpunkt liegt in der Performance, in der sie selber auch in unterschiedliche Rollen schlüpft, die jedoch einem breiten Spektrum an abstrakten Verweisen oder popkulturellen sowie modernistischen Referenzen entnommen sind. Anders als bei den anderen Beiden entstehen ihre Selbstinszenierungen nicht für die Kamera, sonder leben nur im Moment der Aufführung. Im Sinne von Ankündigungsplakaten, Skizzen und Studien entstehen im Kontext der Performances Collagen, Kostüme und Objekte, die teils beim Auftritt zum Einsatz kommen. Die Zeichnungen des Künstlers und Autors Hans-Christian Dany stehen hingegen nicht in direktem Bezug zum Buch SPEED - Eine Gesellschaft auf Droge, aus dem er im Rahmen des Programms lesen wird. In seiner kulturgeschichtlichen Darstellung hebt er das pharmazeutische Amphetamin als kulturellen Faktor in einer leistungsorientierten und geschwindigkeitsverliebten Gesellschaft hervor. Die Zeichnungen hingegen lassen sich als Darstellungen einer Reihe von Alteregos des Künstlers lesen, sind aber auch in ihrer Mischung aus abstrakten sowie comichaft-naiven Ausdrucksformen Sinnbild künstlerischer Fantasieuniversen. Lili Reynaud-Dewar führt in ihren Installationen, Skulpturen und Performances völlig heterogene Elemente zusammen, die gleichwohl durch eine geheimnisvolle und magische Logik zueinander in Beziehung stehen, und sich einer allegorischen und mythischen Formensprache bedienen. Durch formale Anleihen bei Theater, Design, Revue und Popmusik wirft die Künstlerin die Frage nach Identität und ihrem Korrelat, dem Stereotyp, auf. In der Ausstellung ist eine Auswahl von Plakaten zu sehen, die im Rahmen ihrer Arbeit In Every Room Here is the Ghost of Sex entstanden sind. Es sind darauf Texte abgedruckt, die sie Schriften des Designers Ettore Sottsass entnommen hat. Die Texte entstanden im Rahmen der bekannten Reihe „mobili grigri“ (graue Möbel), deren Eleganz und Plastizität rein von einer vielfältigen Grautonabstufung leben. Die in Münster lebende Künstlerin Ellen Hutzenlaub arbeitet hingegen ganz konkret mit dem Ausstellungsraum des Westfälischen Kunstvereins. Sie nimmt mit ihrer großformatigen Wandarbeit einen ‚archäologischen’ Eingriff vor, indem sie dünne Schichten der Wand abträgt und somit gespeichertes Material und abgelagerte Zeit vorheriger Ausstellungen freilegt. Es entsteht ein neues Bild aus Schichten der Geschichte. Die Arbeit wird im Laufe der zwei Wochen des Veranstaltungs- und Ausstellungsprogramms langsam entstehen und erst zum Ende des Programms fertig gestellt. So widmen sich die unterschiedlichen Arbeiten dem besonderen Aspekt der Abrisssituation und geben gleichzeitig einen Ausblick auf die Thematik der „Flüchtigen Zeiten“, die das folgende Jahresprogramm des Kunstvereins bestimmen wird. Einerseits kommt dabei sowohl eine persönliche Aneignung von Architektur zum tragen, als auch das Aufdecken der Geschichte, die sich in den Ort eingeschrieben hat. Andererseits taucht in einigen Arbeiten explizit ein Gefühl von Leichtigkeit, Durchlässigkeit, oder der Hingabe an eine Haltlosigkeit sowie die Verweigerung einer Festlegung auf. Der Fokus des Projektes liegt auf den Veranstaltungen, die häufig nur für wenige Stunden oder Minuten erlebbar sind, dem Besucher jedoch umfangreiche Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung mit der besonderen Situation geben werden.



Termine:

Freitag, 3. April 19 Uhr

Eröffnung
20 Uhr Messieurs Delmotte (Performance)

12 X Red Wine (un/performance) – Act of Services, lautet der Titel der Arbeit des belgischen Künstlers Messieurs Delmotte. In einer zehnminütigen Live-Performance bildet er selbst auf einem Podest das Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Titel ist Programm: in dem er 12 Rotweinflaschen elegant und brachial zugleich leert. Die Multimedialität, die sich durch Delmottes Arbeiten zieht, wurde bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vorgestellt. Video, Fotografie, Installationen und Performances bilden ein weites Spektrum an Werken, das von seiner Liebe zur Gefahr und seiner kompromisslosen und gleichzeitig charmanten Art profitiert.

Samstag, 4. April, 19 Uhr

Filmclub
Kehraus (Dokumentarfilm, 1990, 30'),
Kehrein, Kehraus (Dokumentarfilm, 1997, 70')

1990 entstand die Dokumentation Kehraus über Straßenfeger in Leipzig. Kurz nach der Wende zeigt er ein raues Bild deutscher sozial-politischer Realität. 1996 kehrt Kroske mit dem Film Kehrein/Kehraus zurück und dreht schließlich weitere zehn Jahre danach 2006 den Film Kehraus, wieder. Die Filmreihe hat sich zu einer Langzeitbeobachtung entwickelt, ohne dass dies die grundsätzliche Idee beim ersten Film war. Die drei Filme stellen dennoch eine eindringliche Dokumentation einer Lebensrealität dar, die soviel Geschichte wie Gegenwart in sich trägt.


Gerd Kroske, geboren 1958 in Dessau, ist Dokumentarfilmregisseur. Von 1987-1991 war er als Autor und Dramaturg im DEFA-Dokumentarfilmstudio tätig. Eigene Regiearbeiten entstanden ab Herbst 1989. Seit 1991 arbeitet er unabhängig als Autor und Regisseur. Seit 1996 ist er Produzent von realistfilm.

Sonntag, 5. April, 19 Uhr

Hans-Christian Dany liest aus seinem Buch Speed (erschienen 2008, Edition Nautilus)

Dienstag, 7. April, 19 Uhr

Vortrag: Astrid Wege (European Kunsthalle Köln)

Astrid Wege, Kuratorin und Publizistin, ist seit Herbst 2007 Mitglied der Programmleitung der European Kunsthalle. Lanciert als Projekt einer Kunsthalle für Köln zunächst ohne eigenen Raum, verortet sich die European Kunsthalle seit Sommer 2008 in einer temporären Raumstruktur von Dorit Margreiter im öffentlichen urbanen Raum auf dem Kölner Ebertplatz. Unter dem programmatischen Titel „European Kunsthalle c/o Ebertplatz“ findet dort mit innovativen Ausstellungsformaten eine konzeptuelle Erweiterung des Modells Kunsthalle statt. „European Kunsthalle c/o Ebertplatz“ zielt auf einen kommunikativen Austausch zwischen Kunst und Publikum und begreift sich als Handlungsraum, in dem durch und mit Kunst Öffentlichkeit entsteht – Fragestellungen, die von zentraler Bedeutung sind für eine Institution zeitgenössischer Kunst und Gegenstand auch von Astrid Weges Präsentation im Westfälischen Kunstverein.

Donnerstag, 9. April, 19 Uhr

Filmclub
Kehraus, wieder (Dokumentarfilm, 2006/07, 99'30'') Regie: Gerd Kroske

Freitag, 17. April, 21 Uhr

Freihaus ms im Westfälischen Kunstverein zu Gast:
Hammerhaus (audio-visuelles Konzert)
Hanfreich (beats & loops)
Laurenz Theinert (visual piano)

Am Grenzbereich zwischen Geräusch und Musik, machen Hammerhaus aus Stuttgart Klangkunst, die den Raum sowohl visuell als auch akustisch vereinnahmt. Hanfreich, der musikalische Kopf von Hammerhaus, mischt minimalistische und experimentelle elektronische Sounds zu Club-Beats, die in enger Verbindung zu der visuellen Ästhetik des Lichtkünstlers Laurenz Theinert steht. Mit seinem Visual Piano erzeugt er grafische Elemente in Echtzeit, eine Inszenierung aus dynamischen Linien, Flächen und Farben.

Samstag, 18. April, ab 21 Uhr

Abschlussparty
21 Uhr Michele Di Menna (Performance)
22 Uhr Sandra Kranich (Feuerwerk)

Die Arbeit von Sandra Kranich hat einen zeichnerischen Ausgangspunkt, der durch die Übersetzung in ‚Feuerwerksskulpturen’ eine eigenständige Form findet. Meist existieren ihre Installationen nur für wenige Momente und haben performativen Charakter. Am vorletzten Abend des Programms wird Sandra Kranich zum Abschied in den Räumen des Westfälischen Kunstvereins ein Feuerwerk inszenieren. Diese Arbeit entsteht in Zusammenarbeit mit dem Künstler Jochem Hendricks.


22-2 Uhr Baba Electronica & DJ Lonely
(Baile Funk, Baltimore, Kuduro, Detroit, Kwaito, TechnoBrega, Acid House, Noise Funk, Stripper Techno and other sleazy styles...)

Sonntag, 19. April, 20 Uhr

Jazzclub
Aki Takase & Silke Eberhard
Ornette Coleman Anthology (Konzert)
Silke Eberhard - Altsaxophon, Klarinette, Bassklarinette
Aki Takase - Klavier

Zum Abschluss noch einmal ein Höhepunkt. Mit der seit 1987 in Berlin lebenden japanischen Pianistin Aki Takase präsentiert der Jazzclub im Westfälischen Kunstverein eine Klassikerin des modernen Jazz. Einerseits steht die 1948 in Osaka geborene Takase mit ihren Projekten und Eigenkompositionen an vorderster Front der aktuellen Jazzentwicklung, andererseits verbindet sie ihre intensive Beschäftigung mit musikalischen Vorläufern (u.a. CD-Aufnahmen der Musik W.C. Handys, Fats Wallers, Eric Dolphys) in das Zentrum der Jazztradition. Vor drei Jahren hat sie sich nun mit der jungen Saxophonistin und Klarinettistin Silke Eberhard zusammengefunden, um die frühen Werke des Jazz-Innovators Ornette Coleman neu zu interpretieren. Silke Eberhard gilt ihrerseits als eine der vielversprechendsten Musikerinnen ihrer Generation. Seit 2000 ist sie auf internationalen Bühnen unterwegs und überzeugt mit großartigen Veröffentlichungen unter eigenem Namen (z.B. Silke Eberhard Trio „Being“, JWO 27). In ihrer Zusammenarbeit gelingt es den beiden Musikerinnen sowohl die geheimnisvolle Schönheit der Musik Colemans als auch ihre eigene Kreativität in den Vordergrund zu stellen. Eine faszinierende Reise in den Kosmos einer Jazzlegende und zugleich die Entdeckung eines traumwandlerischen Duos im Hier und Jetzt.